(Dr. Tonn, Heidelberg)

Kurzdiagnostik im Notdienst

Lippenfarbe anschauen (zyanotisch, normal, blass, rosig), ev. Pulsoxymeter anlegen Lunge auskultieren

  1. bds. inspiratorische RG´s, kein Fieber, ev. Beinödeme, ev. Herzinsuffizienz bekannt → Lungenödem
  2. einseitig (oder beidseitig) inspir. RG´s, Fieber → Pneumone
  3. verlängertes Expirium, exp. Giemen, inspiratorisch frei → Asthma bronchiale oder COPD
  4. verlängertes Expirium, exp. Giemen, inspiratorisch bds. RG´s, kein Asthma oder COPD bekannt, Herzinsuffizienz bekannt → Asthma cardiale
  5. bds. expiratorisch feuchte RG´s → Bronchitis, bronchiale Einblutung
  6. einseitig abgeschwächtes oder aufgehobenes Atemgeräusch, perk. hypersonor → Pneumothorax
  7. einseitig abgeschwächtes oder aufgehobenes Atemgeräusch, perk. gedämpft → Pleuraerguß
  8. inspiratorischer Stridor → Glottisödem, Pseudokrupp, Trachealstenose, Aspiration
  9. Lunge auskultatorisch o.B., dann RR messen

RR

1.      RR sys. < 90 → ev. Schock

  • Halsvenen gestaut → Lungenembolie oder kardiogener Schock
  • Halsvenen leer, ev. Puls erhöht → Hypovolämischer oder hämorrhagischer Schock
  • Allergie bekannt, Hautjucken/Rötung, Z.n. Insektenstich → allergischer Schock

2.      RR sys. > 180 → Hypertonie (kann v.a. bei Herzinsuffizienz Dyspnoe machen)

3.      Puls unregelmäßig → Vorhofflimmern? Puls mit Stetoskop am Herz messen

4.      Tachykardie

5.      RR und Puls o.B., dann

  • wenn vorhanden Pulsoxymeter anlegen (bei Ebay für ca. 40 Euro Festpreis, sehr klein)
  • Vorerkrankungen erfragen, Halsvenenfüllung bei ca. 20-30° beurteilen
  • Immobilisation, Z.n. OP, Schwangerschaft, TVT, Z.n. Flug, Tumorerkrankung → Lungenembolie
  • thorakale Schmerzen →  Lungenembolie, Herzinfarkt
  • Schmerzen retrosternal, linker Thorax, Oberbauch, Rücken, Unterkiefer oder li. Arm → Herzinfarkt
  • Halsvenen stark gefüllt → Lungenembolie, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz
  • Blässe an Lippen/Gesicht → Anämie
  • rosige Lippen, ängstlicher Patient, schnelle Atmung → Hyperventilation
  • beim Essen plötzliche Atemnot → Aspiration
  • außer Dyspnoe kein Hinweis, keine Hyperventilation → ev. „Angina pectoris -Äquivalent“, bei akuter kardialer Ischämie kann manchmal die Dyspnoe das einzige Symptom sein
  • seltener: Vergiftung, metabolische Azidose, Ketoazidose (Typ I Diabetiker), ZNS-Ursache

 

Therapie:  

 

Lungenödem:

  • sitzen, Beine runter
  • Lasix = Furosemid i.v. 40-120mg
  • Nitrospray 1-2 Hub alle 15 Minuten, außer RRsys < 100 (Vorlastsenkung)
  • O² 4-10 l/min,
  • Morphin in 2-3mg Einzeldosen bis max 5-10mg zur Vorlastsenkung, vorher MCP spritzen
  • Klinikeinweisung

 

Asthma bronchiale oder COPD:

  • meist haben die Patienten schon viel ß-Symp. Mimetika gesprüht
  • sitzen, beruhigen, langsame Atmung, Lippenbremse
  • 250mg Solu-Decortin i.v. (niedrigere Dosen wirken zu langsam, da die ersten 100mg an die langsamen Rezeptoren gebunden werden)
  • ev Theophyllin ½ bis 1 Amp. i.v. falls RR oder Puls nicht zu hoch sind
  • ev. O² 2-4l (bei COPD ständig überwachen, falls schläfrig, dann O² reduzieren)

Viele COPD Patienten haben oft eine akute Dyspnoe und wollen nicht immer in die Klinik.
Dann nach 250 mg i.v.-Gabe → Prednisolon oral 50 mg 1-0-0 für 3 Tage, dann stop oder Dosisreduktion durch Hausarzt.

  • immer nach Farbe des Auswurfs fragen, falls gelb, dann
    AmoxiClav 875/125 mg bei < 70kg 1-0-1, bei >70kg 3xtgl., ev. plus Ambroxol 30mg 1-1-0
  • Zimmerluft anfeuchten
  • In den letzten Jahren wurde ich zu 3 Patienten wegen Dyspnoe bei bekannter schwerer COPD gerufen, bei denen ich kein wesentliches exp. Giemen oder verlängertes Expirium hörte.
    Ich spritzte ihnen NaCl i.v., beruhigte sie während des Spritzens und instruierte sie, langsam zu atmen. Die Atemnot hörte nach wenigen Minuten komplett auf. Danach erklärte ich es den Patienten: Auskult. o.B., Lippen rosig, Pulsoxy o.B., durch NaCl o.B. → jetzt kein Asthma, sondern Hyperventilation

 

Asthma cardiale:

Therapie des Lungenödems plus 250mg Solu-Decortin i.v.

*kein Theophyllin!

 

Hypovolämischer oder hämorrhagischer Schock:

  • Schocklagerung mit Beine hoch
  • 2 Viggos (mindestens grün), NaCl- oder Ringer-Infusion, kein Haes (nach neusten Studien negativ)
  • RR engmaschig kontrollieren

*CAVE: bei innerer Blutung ist das Ziel RRsys 70-90mmHG. Keinen höheren Blutdruck durch massive Volumengabe erzeugen, da der Blutverlust sonst deutlich größer wird.

 

Kardiogener Schock:

  • EKG, ev. Adrenalin, Notarzt

 

Allergischer Schock:

  • Schocklagerung
  • (500-) 1000mg Solu-Decortin i.v., 1-2 Amp. Tavegil oder Fenistil i.v., ev. Zantic i.v.
  • sehr viel Volumen durch 2 Viggos (mindestens grün)
  • frühzeitig Adrenalingabe (verdünnt, fraktioniert)

 

Lungenembolie:  

  • 5000 IE Heparin i.v., Notarzt

 

Hypertonie bei Herzinsuffizienz:

  • Nitro, sitzende Lagerung. Andere Antihypertensiva, aber Adalat nur dann, wenn Pat. sicher keine Angina pectoris hat. Also nachfragen: Schmerzen Brust, Rücken, Oberbauch, li. Arm, da bei jeder akuten kardialen Ischämie Adalat kontraindiziert ist.

 

Supraventr. Tachykardie / Tachyarrhythmie:

  • unter EKG-Kontrolle (RTW) ev. Isoptin, Lopresor/Beloc (oder Digitalis),
    kein Isoptin falls ß-Blocker in Therapie und umgekehrt!

Herzinfarkt → siehe Kapital Myokardinfarkt
Herzinsuffizienz → siehe Lungenödem

 

Hyperventilation:

Tüte vor den Mund halten ist nach neusten Ergebnissen ungeeignet. Der psychische Stress dabei verschlimmert die Hyperventilation und bevor der CO²-Spiegel wirkungsvoll ansteigt, bekommen die Patienten eine Hypoxie. Man müsste also 4 l O²/min zusätzlich applizieren. Manche Kollegen haben trotzdem gute Erfahrungen mit der Rückatmung oder nur mit dem Beruhigen des Patienten, weil die Pat. dadurch lernen, ohne einen Arzt die Hyperventilation das nächste mal zu behandeln. Mein Tipp:

  • therapeutisches Auskultieren (nach Dr. Tonn):
    Die Lunge mehrere Minuten lang auskultieren und dem Patienten dabei genau sagen, wann er ein- und ausatmen soll (und dies natürlich sehr langsam). Das funktioniert meist gut. Wenn nicht, dann:
  • Tavor 1 bis 2,5mg sublingual wirkt fast genauso schnell und gut wie Diazepam i.v

www.fortbildung-notdienst.de

________________________________________________________________________________________
Zuletzt geändert am: 29.04.2008